Karpfenangeln nach Wetterumschwung

Karpfenanglen bei Wetterumschwung

Man hört immer wieder das Karpfen konstante Bedingungen mögen. Warum sollte man sich bei einem anstehenden Wetterumschwung überhaupt auf den Weg machen? Was tust du am Wasser, wenn du eine längere Session machst und das Wetter plötzlich wechselt?

In diesem Artikel wollen wir dir aufzeigen, wie du wechselhaftes Wetter für dich nutzen kannst und dass es in bestimmten Situationen sogar sehr gut sein kann, während bzw. nach einem Wetterumschwung am Wasser zu sein!

Die Sache mit dem Luftdruck

Das Wetter hat einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Erfolgschancen beim Karpfenangeln. Fische, wie viele andere Tiere, spüren Wetterumschwünge viel stärker als wir Menschen. Es gibt Tage, an denen läuft gar nichts am Wasser für uns als Angler und solche, an denen es fast egal ist, was man ans Haar hängt. Die Fische scheinen wie im Rausch zu fressen.

Tiefdruck
Ein Tiefdruckgebiet zieht heran.

Obwohl es viele (und teilweise auch unbekannte) Einflussfaktoren gibt, spielt unter anderem der Luftdruck eine Rolle. Er scheint unmittelbaren Einfluss auf das Wohlbefinden der Fische zu haben. Sie regulieren bspw. über die Schwimmblase, wie sie im Wasser stehen. Es scheint so, als würden (vor allem größere) Karpfen lediglich in den Zeiten fressen, wo das Wetter für sie angenehm ist. Dazu zählt konstantes Wetter. Die Fische haben sich bei konstanten Bedingungen auf diese eingestellt und nehmen nun normalerweise regelmäßig Nahrung auf.

Vor allem bei niedrigem Luftdruck scheinen Karpfen sich so richtig wohl zu fühlen. Man weiß nicht wirklich genau, warum die Karpfen dann an vielen Gewässern besonders fängig sind.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass große Karpfen durch ihre Energiereserven, auf zu viel Fressen verzichten, wenn die Bedingungen für sie unangenehm sind. Kleinere Karpfen sind auch bei schlechten Bedingungen meistens noch ans Band zu kriegen, weil diese keine großen Energiereserven aufweisen und deshalb regelmäßiger fressen müssen.

Soweit zur Theorie.

Wetterumschwung – Wann ist er gut? Wann ist er schlecht?

Im Umkehrschluss kann ein Wetterumschwung bedeuten, dass die Fische richtig aktiv werden. In Phasen wo du wenig Bisse hast, kannst du nach bzw. während eines Wetterwechsels häufig richtig abräumen. Die Fische suchen andere Areale auf oder werden wieder zum Fressen animiert.

Vor allem im Sommer und Herbst kann ein plötzlicher Wetterwechsel sehr vielversprechend sein! Stell dir vor, du hast tagelang Magenschmerzen und nach einer bestimmten Nacht sind sie mit einem Mal verflogen. Du wirst richtig Hunger haben, weil deinem Körper eine Menge Energie fehlt! So in etwa kann man sich das bei oder nach bspw. einem Regenschauer nach einer langen Trockenperiode für die Fische vorstellen. 

Ein Wetterumschwung kann wie ein Spot-Wechsel sein! Anstatt das du dich bewegst, bewegen die Fische sich dann häufig und finden im Idealfall deinen Angelplatz. Ein Wetterumschwung ist also nicht per se etwas Schlechtes.

Nach dem Regen kommt die Sonne. Karpfenangeln Wetterumschwung
Nach dem Regen kommt die Sonne: Fred freut sich!

Sollte es wiederrum sehr gut mit den Bissen laufen, ist ein Wetterwechsel häufig eher kontraproduktiv. Auch bei zu extremen Wechseln, wie bspw. starken Gewittern oder Temperaurstürzen, sind die Aussichten auf Erfolg eher negativ. Hierbei bestätigen Ausnahmen, wie fast überall, die Regel. Es gibt Berichte von Anglern, wo Gewässer bei starken Unwettern so richtig zum Leben erwachen. 

Auch im Winter und Frühjahr sind Wetterwechsel manchmal interessant, dann aber eher, wenn das Thermometer schlagartig nach oben klettert! 


Regen als Hotspot-Indikator

Du sitzt am Wasser und es fängt an zu regnen – ab ins Bivvy und Netflix auf dem Handy anmachen? Nicht an neuen Gewässern, die dir neu sind!

Es lohnt sich für dich, möglichst viel Wasserfläche im Auge zu behalten, solltest du einen See noch nicht in- und auswendig kennen! Es gibt viele Seen, an denen sich Karpfen durch Sprünge und das typische Buckeln zeigen, wenn es regnet. 

Mein persönliches Schlüsselerlebnis bei einem Wetterumschwung

Ich fische öfters an einer sehr ruhig gelegenen, idyllischen See, der etwa 8 ha Wasserfläche hat. Der See ist nicht sonderlich stark von Karpfenanglern beangelt, da er keine oder sehr wenig große Karpfen beheimatet. Er ist durch eine Insel/Halbinsel getrennt, welche bei niedrigem Wasserstand zu Fuß betretbar ist. Es gibt einen flachen (bis zu ~7m tiefen) Bereich, der durch interessant bewachsene Stellen und einen strukturreichen Grund, sehr interessant für die meisten Angler ist. Der zweite (größere) Teil des Sees ist bis zu ~13m tief und total monoton. In dieser Hälfte des Sees probieren in der Regel nur Spinnfischer und ein paar Forellenangler ihr Glück. 

Der See ist bis zu ~13m tief und total monoton.

Wie alle Karpfenangler habe ich mich regelmäßig in den flachen Bereich gesetzt und alle vielversprechenden Spots „abgeangelt“. Die größeren Fische (wir sprechen in dem See von 12-15kg), die man manchmal beim Sonnenbaden im Flachwasser sieht, werden bzw. wurden (nach meinem Wissen) nur sehr selten gefangen. 

Das Wetter änderte sich

Als ich zu einer spontanen Session für ein paar Stunden am Vormittag an dem See war, fing es aus dem Nichts an zu Regnen. Ich hatte meinen Schirm im Auto und habe ihn rangeholt, um noch etwas am Wasser zu sitzen und den Schauer abzuwarten. Es regnete sich allerdings mehr und mehr ein und ich war drauf und dran, die Sache abzubrechen. 

Dauerregen

Nach 20-30 Minuten Regenzeit fingen die Karpfen an zu springen. Das ist an dem See total ungewöhnlich – sie zeigen sich sehr selten! Zu meinem Erstaunen sprangen 2-3 Karpfen in einem sehr kleinen Areal im tiefen Teil des Sees, wo sich sonst nur die Forellenangler niederlassen. Als der Regen sich gelegt hatte, bin ich mit der Lotrute umgehend zu der Stelle gelaufen und ich konnte keine nennenswerten Strukturen ausmachen. Nur eine monoton abfallende Kante, die bis auf etwa 12-13m Tiefe verlief. 

Wie du beim Ausloten richtig vorgehst, haben wir hier für dich beschrieben!

Ich entscheid mich dazu ein paar Boilies in das Areal, in dem die Fische zuvor gesprungen waren, zu werfen. Am nächsten Wochenende baute ich an der Stelle für eine Nacht-Session auf. Noch bevor ich alle Ruten im Wasser hatte, lief die erste Rute ab und ich konnte einen der größeren, selten gefangenen Schuppenkarpfen einnetzen! Die Nacht brachte mir noch vier weitere Karpfen. Durch ein bisschen Aufmerksamkeit während eines Wetterumschwungs konnte ich eine gut frequentierte Stelle am See ausmachen, auf die ich sonst nie gekommen wäre!

Schuppenkarpfen nach Wetterumschwung
Ein kleiner Schuppenkarpfen nach einem Wetterumschwung

Seitdem beobachte ich bei einsetzendem Regen regelmäßig die Wasseroberfläche an vielen unterschiedlichen Gewässern. An einigen von ihnen, verraten die Karpfen sich bei einsetzendem Regen regelmäßig! Die Augen sind deine wertvollste Waffe beim Karpfen lokalisieren – nutze Sie!

Christian

Christian Röhrs, passionierter Karpfenangler.

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