Karpfenangeln im Schlamm: So gehst du es richtig an!

Großer Karpfen aus schlammigen See.

Beim Karpfenangeln versucht man häufig einen möglichst harten Untergrund wie bspw. Kies oder Sand zu befischen. Man kann sich dort zumeist sicher sein, dass eingebrachtes Futter und die Montage sauber platziert sind, was unheimlich komfortabel ist. Auf der anderen Seite sind solche Stellen oft rar gesät und stark beangelt. 

Durch hohen Angeldruck kann es sogar sein, dass Karpfen die Stellen meiden. In anderen Gewässern sind harte Böden teilweise gar nicht vorhanden!

In diesem Artikel erläutern wir dir, wie du schlammige Stellen richtig beangeln kannst und was es dabei zu beachten gibt.

1. Den richtigen Schlamm finden

Am wichtigsten ist wie immer die Location-Frage. Bei schlammigen Untergründen muss man immer etwas genauer hinschauen und sich ein besonders gutes Bild vom Grund machen.
Wir können beim Angeln ganz grob in zwei Schlammkategorien unterteilen. Es gibt ‚guten‘ und ’schlechten‘ Schlamm.

Großer Karpfen aus schlammigen See.
Großer 20 Kg Karpfen aus einem schlammigen See.

Den schlechten Schlamm bezeichnet man oft auch als Faulschlamm. Er stinkt sehr stark und färbt häufig Köder und sogar Montagen schwarz ein. In diesem Schlamm zersetzen sich bspw. Blätter von Bäumen, Äste, absterbendes Kraut usw. Vor allem an kleineren Gewässern ist meistens die tiefste Stelle im See mit einer Schicht Faulschlamm belegt, da sich dort durch die Verwirbelungen im Wasser jeglicher ‚toter‘ Unrat sammelt. Auch an einigen mit Bäumen überhängenden Stellen finden sich manchmal so welche Stellen.

Faulschlamm meiden

Als Angler solltest du diese Stellen eher meiden. Ein wichtiger Punkt zum Faulschlamm: Man kann auch hier Fische fangen. Die Karpfen meiden die Gebiete nicht zwangsläufig. Wir haben schon viele Fische im Faulschlamm gefangen – Teilweise aus Unwissenheit darüber und teilweise weil die Angelstelle einfach so gut aussah, dass man es versuchen musste!

Wesentlich aktiver sind Karpfen jedoch in ‚gutem‘ Schlamm. Guter Schlamm zeichnet sich durch weniger Eigengeruch aus und verfärbt auch in der Regel nicht stark bzw. auch gar nicht. Dieser weiche Gewässergrund beherbergt viel natürliche Nahrung der Karpfen wie bspw. Zuckmückenlarven.

Karpfenangeln im Schlamm - rote Mückenlarven
Zuckmückenlarven halten sich oft im Schlamm auf.

Karpfen gründeln an solche Stellen regelmäßig auf der Suche nach kleinen Lebewesen. In gutem Schlamm gibt es auch immer mal wieder natürliche Hotspots, wo die Karpfen viel Nahrung finden. Solche Stellen kann man für die Karpfen aber auch durch richtiges Füttern (dazu später mehr) schaffen.

Schlammsedimente gibt es generell an extrem vielen Stellen in Seen und auch wenn viele Angler behaupten, dass sie auf ’steinhartem‘ Grund angeln, zeigen Unterwasserkameras häufig ein anderes Bild. Meistens merkt man den Unterschied mit monofilen Schnüren gar nicht wirklich – was vor allem bei dünnen Sedimentschichten aber auch nicht weiter tragisch ist.

Sedimente am Gewässergrund.
Sedimente auf dem Gewässergrund: Erstmal kein Grund zur Sorge!

Schlamm prüfen mit Krallenblei

Um die Art des Schlamms zu prüfen, nutzt du am besten eine Spod-Rute mit geflochtener Schnur und ein Krallenblei. Faulschlamm ist sehr matschig. Wenn du mit dem Blei regelrecht im Boden kleben bleibst und auch beim schleifen über den Grund dass Gefühl hast, jedes mal beim ziehen, dass Blei erst richtig lösen zu müssen, handelt es sich oft um Faulschlamm.

Hole die Rute dann zügig ein und gucke, ob du eventuell Schlammreste am Krallenblei hast oder sogar ein Stück von einem schwarzen Blatt oder ähnlichem. Solltest du nichts am Blei finden, rieche auch definitiv nochmal dran. Bist du im Faulschlamm gelandet, kannst du das definitiv am Blei riechen.

Wenn du beim Abtasten mit dem Krallenblei recht einfach das Blei bewegen kannst, ist das ein erster guter Hinweis auf ein potentiell guten Schlammbereich. Rieche wieder an dem Blei und überprüfe es auf Reste von Kraut oder sogar kleinen Tierchen.

In letzterem Fall hast du Glück und eine sehr interessante Stelle gefunden. Aber auch ein Krautrest kann ein gutes Zeichen sein. Wenn das Kraut frisch riecht, ist die Stelle auch einen Versuch wert. Lass dich nicht von Krautresten irritieren – Krallenbleie sind darauf ausgelegt, Dinge vom Grund aufzusammeln. Die meisten Stellen im Wasser sind nicht so unbewachsen, wie wir uns das als Angler vorstellen!

2. Montagen und Rigs

Je nach der Dichte des Schlamms, kann es wesentlich schwieriger sein, den Hakenköder effektiv zu präsentieren. Da der Schlamm oft tiefer ist, als man sich das eingestehen möchte, ist das genutzte Bleisystem extrem wichtig. Sobald der Boden recht weich ist, ist von einem Inline-Blei-System abzuraten. Die Gefahr, dass das Blei im Grund versinkt, ist sehr groß. Bei einem Inline-System kann das unverzüglich zu Problemen bei der Vorfach-Präsentation führen. Etwas besser ist das Leadclip-System, weil das Blei an einem Arm hängt. Aber bei sehr weichem Schlamm ist auch davon abzusehen.

Am besten nutzt du eine Helikopter-Montage. Das Blei kann ruhig im Schlamm versinken, aber das bewegliche Vorfach (auf dem Leader bzw. der Hauptschnur) kann das ausgleichen. Damit sind die Chancen extrem gut, dass dein Köder sauber präsentiert ist!

Helicopter-Bleisystsem zum Karpfenangeln
Helicopter-Bleisystsem zum Karpfenangeln.

Wähle weiterhin ein möglichst kleines und flaches Blei, damit das Blei möglichst wenig im Grund versinkt. Wenig Gewicht und eine große Aufschlagfläche sind hier von Vorteil – versuche spitze Distanzbleie zu vermeiden! Sie schlagen meistens mit dem Kopf ein.

Das Vorfach sollte generell 5-10cm länger ausfallen, als über hartem Grund. Als Köder eignen sich ausbalancierte Köder oder Wafter, Pop-ups und kleinere Boilies. Man sollte bei letzterem sicherheitshalber mit PVA-Schaum-Nuggets arbeiten. Sie werden einfach etwas befeuchtet und an den Haken geklebt. Nach einigen Sekunden unter Wasser löst sich der Schaum auf und das Vorfach fällt – ohne den Zug vom (bereits am Boden liegenden) Blei – sanft auf den Gewässergrund.

3. Anfüttern

Auch beim Anfüttern kannst du dich auf weichen Gewässergrund einstellen. Auf harten Stellen sind ganze Boilies kein Problem. Sie sinken durch ihre runde Form und hohe Dichtigkeit recht schnell im Wasser und legen sich auf den Grund. Wenn du auf einer Schlammschicht angeln willst, ist die Gefahr hoch, dass ganze Boilies einfach ‚im Grund‘ versinken. Die Karpfen nehmen sie also optisch nicht wahr und müssen aktiv danach suchen. Das ist zum Anfüttern, wo wir möglichst viel Attraktion erzeugen wollen, nicht optimal.

Partikel lassen sich am Ufer genauer anfüttern.
Partikel eigenen sich auch in schlammigen Gewässern gut.

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Je nach Härtegrad deiner Boilies, kannst du sie einfach etwas zusammen drücken, sodass sie auf einer Seite etwas aufplatzen. Dadurch sinken sie im Wasser viel langsamer. Du kannst auch halbierte Boilies füttern. Sie flattern regelrecht ganz langsam auf den Grund und haben eine höhere Chance nicht zu versinken. Auch das ‚crushen‘ von Boilies zu kleinteiligerem Futter ist empfehlenswert. Kleine Partikel und Pellets sind auch sehr effektiv, um im Schlamm zu füttern.

Als letzte Ergänzung zum Füttern auf Schlamm sind Flavours und Dips anzuführen. Durch das tränken deiner Boilies (im Idealfall inkl. Zeit zum Einziehen), nehmen diese den Geruch vom Boden nicht mehr so stark auf und bleiben langfristig attraktiv. Gute Boilies funktionieren ähnlich wie Schwämme, sie geben Inhaltsstoffe an das Wasser ab, nehmen aber auch Stoffe aus dem Wasser auf. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, die Boilies für das Angeln auf eventuell unattraktiv riechenden Untergründen bereits vorher einziehen zu lassen – mit einem Geschmack deiner Wahl!

Christian

Christian Röhrs, passionierter Karpfenangler.

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